Mutationen im Genom führen im Verlauf der
Evolution zu neuen Merkmalen
Auf der Suche nach seinen
Vorfahren wühlte sich Ralf Moritz, 69, jahrelang durch staubige Archive und
durch Mikrofilme. Bis ins 14. Jahrhundert verfolgte er die Linie seiner
mütterlichen Ahnen zurück. „Ich will wissen, wer ich bin, woher ich komme“,
erklärt der Ingenieur im Ruhestand seine aufwändige Detektivarbeit. Auf der
väterlichen Linie verlor sich die Spur im Spreewald bei Berlin. Dort starb 1794
der Gemeindeschmied Georg Moritz. Wer waren seine Eltern? Woher kamen
sie?
In den alten Kirchenbüchern der Gemeinde fand Moritz schließlich den
entscheidenden Hinweis: Der damalige Pfarrer hatte wohl den Namen des
Verstorbenen falsch verstanden und aus dem Einwanderersohn George Morison den
Georg Moritz gemacht.
Internetsuche nach den
VorfahrenHobbygenealogen wie Ralf Moritz waren in der Vergangenheit
ausschließlich auf Kirchenbücher, Steuerregister und oft kaum zu entziffernde
handschriftliche Aufzeichnungen angewiesen. Mittlerweile erleichtern
genealogische Netzwerke im Internet die Suche erheblich. Auf
Verwandtschaftsportalen sind Millionen Dokumente in Sekunden zugänglich. Und die
Nutzer arbeiten in bester Web-2.0-Manier an der Komplettierung der Datenbank.
Ganz neu im Bereich Genealogie sind Firmen, die das Erbgut ihrer Kunden mit
historischen Personen vergleichen und so per Gen-Analyse die Stammbaum-Recherche
bereichern.
Digitale Datenbanken ermöglichen den modernen Genealogen
problemlose Recherchen vom heimischen Schreibtisch aus in ausländischen Quellen.
Die Online-Suche hat dennoch Grenzen. „Den Internet-Quellen kann man nie
hundertprozentig trauen“, warnt Sabine Schleichert. Als Berufsgenealogin
erforscht sie täglich die Ahnentafeln anderer. „Grundsätzlich muss ich jede
Angabe im Original prüfen.“ Außerdem seien die Dokumente nicht immer eins zu
eins übertragen.
Die Antwort liegt in den GenenDie Angaben
über Beruf und Herkunft eines Menschen sind den Forschern besonders wichtig,
weil sie auf die Lebensumstände schließen lassen. Im Netz sind aber oft nur Name
und Geburtsdatum vermerkt. Auch Freizeitgenealoge Moritz fand online keine
Information darüber, woher sein Urahn Morison stammte. Der Name „GeorgeMorison“
klang nach einem englischsprachigen Land, nach welchem, blieb aber
unklar.
Die Antwort liegt in den Genen. Moritz beschloss, die neueste,
nicht ganz billige Fahndungsmethode der Ahnenforschung zu nutzen: Per
DNA-Analyse ermittelt die Schweizer Firma
iGENEA ab 105 Euro aufwärts das
Herkunftsland eines Menschen. „Es liegt doch auf der Hand, diese Antwort in den
Genen zu suchen!“, findet Moritz.
Den kompletten Report über die
moderne Ahnenforschung finden Sie im aktuellen FOCUS.