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24. Dezember 2006, NZZ am Sonntag Ein Guggisberg auf den DNA-Spuren der GuggisbergsEine «eheliche Indiskretion» - wie vornehm sich die Wissenschaft doch auszudrücken weiss. Dabei geht es hier um ein simples Skandalon: Eine ehrbar verheiratete Bernerin, sagen wir im 17. oder auch im 19. Jahrhundert, bringt einen Sohn zur Welt, der zwar den Namen ihres Ehemanns tragen wird, dessen Vater dieser Mann aber nicht ist. Auf solche Kuckuckskinder stösst ein leidenschaftlicher Stammbaum- Forscher wie Daniel Guggisberg aus Redondo Beach, Kalifornien, wenn er von der braven historischen Forschung in Berner Gemeindearchiven zur DNA- Forschung im Labor übergeht. Daniel Guggisberg, Kaufmann und Hobbyhistoriker, seit über zwanzig Jahren in den USA lebend, erforscht seit Jahrzehnten das alte Berner Geschlecht der Guggisberg, dem er entstammt. Aus Kirchenbüchern und Gerichtsakten hatte er deren Stammbaum bis in die Anfänge des 16. Jahrhunderts rekonstruieren können. Die heute 26 existierenden Guggisberg-Zweige führte er auf 4 Hauptzweige zusammen, die aus den Dörfern Zimmerwald, Belp, Oberbalm und Englisberg stammen. Schliesslich fand er sogar einen Urahn, einen Niklaus Guggisberg, der schon im 14. Jahrhundert ein Stück Land am Gurten erwarb. Gerade als damit die akribische Archiv-Recherche mit drei umfangreichen Guggisberg-Bänden beendet war, erschienen erste Artikel über DNA- Tests zur Erforschung der Abstammung. Daniel Guggisberg war sofort elektrisiert: Er beschloss, DNA-Proben von lebenden männlichen Guggisbergs zu sammeln. Es sei nicht ganz einfach gewesen, die meist älteren Herren in den Berner Dörfern zu Speichelproben zu überreden, erzählt der Forscher. Um verschiedene Familienzweige zu dokumentieren, kamen die 20 Proben dann sogar von Guggisbergs aus Spanien, den USA, Kanada und Venezuela. Das Resultat aus dem Speziallabor der Firma Family Tree DNA war verblüffend: 15 der 20 Proben erwiesen sich als genetisch praktisch identisch. Doch 5 zeigten ein völlig anderes Bild: Diese Männer hiessen zwar Guggisberg, waren aber genetisch keine. Daniel Guggisberg gelang es, jeden der 5 Fälle zu klären: 2 davon gehen auf eine informelle Adoption im frühen 18. Jahrhundert zurück. Die übrigen 3 liessen sich auf eine Adoption und auf 2 eheliche Indiskretionen zurückführen: 1 davon vor 207 Jahren in der Schweiz. Und da hatte jene ehrbare Bernerin doch gedacht, das brauche ja keiner je zu wissen. Kathrin Meier-Rust |
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Diesen Artikel finden Sie auf NZZ Online unter: http://www.nzz.ch/2006/12/24/ws/articleERH6C.html |
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