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Kind des Gesanges

Als ich heiraten wollte, war ich 27 Jahre alt. Da habe ich mich gewundert, dass mir meine Eltern keine Geburtsurkunde für das Standesamt geben wollten. Eine Weile haben sie herum gedruckst, dann sind sie damit heraus gerückt: Wir sind gar nicht deine wahren Eltern. Wir haben dich adoptiert, als du noch ein ganz kleines Mädchen warst. Wir haben uns bis jetzt nie getraut, dir das zu sagen.

Erstmal war ich sprachlos. Aber mit der Zeit begriff ich ihre Sorge, dass ich mich womöglich von ihnen abwenden könnte. Dennoch hatte mich die Neugier gepackt. Jahre später, als meine Adoptiveltern schon lange nicht mehr lebten, habe ich dann nach meinem leiblichen Vater gesucht.

Er heißt Jànos und ist ein Ungar. Als junger Student verbrachte er ein Semester in Dresden. „Weißt du,” hat er mir erzählt, „ich habe deine Mutter bei einem Konzert an der Hochschule singen gehört. Sie hatte so eine himmlisch schöne Stimme. Das hat mich einfach nicht mehr losgelassen. Ich habe ganz lange nach ihr gesucht, bis ich sie endlich wiedergesehen habe.”

Dann hat Jànos Noten mitgebracht, und die Beiden haben im stillen Kämmerlein ungarische Volkslieder studiert. „Es war wunderbar”, sagte Jànos, „ich habe sie beim Singen immer so ein bisschen in den Arm genommen und gestützt.”

Nur drei oder vier Mal haben sie sich so getroffen. Ich bin ein Kind des Gesanges. Als Jànos dann erfuhr, dass er Vater wird, war seine Studienzeit in Dresden gerade abgelaufen. Es war mitten im Krieg. Er musste zurück nach Ungarn zu seinen Eltern.
Leider ohne die werdende Mutter. Denn sie wollte nicht mitkommen.
Nie wieder hat Jànos seitdem etwas von ihr gehört.

Als ich Jànos bei meinem ersten Besuch in Budapest gegenüberstand, wusste ich nicht, wie ich ihn anreden sollte. „In Ungarn sagen die Kinder Papa zu ihrem Vater,“ hat er mir geantwortet. „Ich freue mich, dass du gekommen bist. Jedes Kind hat ein Recht, seinen Vater kennen zu lernen.“ Zur Begrüßung bekam ich von ihm ein dickes Buch über Ungarische Volkskunde geschenkt. „Du bist ja eine halbe Ungarin. Und du sollst mein Heimatland kennen und lieben lernen.“

Dann sind wir zusammen in das Cafè Hungaria gegangen. Eine sehr schönes altes Budapester Kaffeehaus. Wir hatten uns viel zu erzählen..


Angaben zum Autor:
Eva Maria Keuchel aus Bonn

Diese Geschichte wurde publiziert am: 08.02.2018

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