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Vaterschaftsanalyse von 1807

Vor Jahren, als es noch keine DNA-Genealogie gab, kam mir bei meiner
Familienforschung mal ein Fall in meiner Ahnenreihe unter, der auf seine
Weise wohl einen Fall von "früher Vaterschaftsanalyse" darstellt.

Eigentlich war es ganz einfach, ich hatte den Namen und die Daten meines
Vorfahren (großmütterlicherseits) und noch die Namen der Eltern. Also
schrieb ich das Pfarramt an und war mir gewiss, eine normale Antwort mit
weiterführenden Daten aus dem schönen Schleswig-Holstein zu bekommen. Die
Antwort kam erstaunlich schnell und war noch erstaunlicher als vermutet. Man
schrieb mir, dass sie so etwas noch nie gesehen hätten und ihnen das auch
bisher nicht in ihrem Taufbuch aufgefallen war in Berghusen, da die Pfarrer
ansonsten nur eine Zeile pro Täufling verwanden, hier aber der Pfarrer über
die Taufe vom 19. Juli 1807 eine komplette Seite füllte. Man machte mir eine
Kopie, weil man sich im Pfarramt nicht sicher war, alles richtig gelesen zu
haben was da stand.

Ich setzte mich also hin, las die Zeilen und las eine unglaubliche
Geschichte die sich in dem Ort im Sommer 1807 zugetragen hatte. Ein Wittwer,
der aus erster Ehe auch schon Kinder hatte, schien sich eine Hausangestellte
gehalten zu haben. Jene Frau und er schienen sich nicht ganz unsympathisch,
aber er schien nicht nochmal heiraten zu wollen. Doch es kam wie es kommen
musste, sie wurde schwanger und als Mann der Ehre und wohl auch aus
Zuneigung heiratete er sie umgehend. Monate später wurde ihnen ein Sohn
geboren und die Freude war groß und da die Familie in Berghusen wohl nicht
ganz unbedeutend war, wurde die Taufe zu einem Fest für den ganze Ort und
wirklich alle waren zu der Feier gekommen ... alle, außer ein paar jungen
Burschen die das Vieh auf der Weide hüteten.

Plötzlich bemerkten diese, dass ein unbekannter junger Bursche um die
Scheunen schlich. Man ergriff den vermeidlichen Dieb und wollte die Wahrheit
aus ihm raus prügeln. Nur gestand dieser Dinge, nach denen er gar nicht
gefragt worden war, z.B. dass er der Kindsvater des Täuflings sei. In ihrer
Überraschung schleppten die Hirten den jungen Mann mitten in die
Feierlichkeiten der Taufe. Angesichts dessen brach sowohl die Mutter des
Täuflings zusammen als auch deren Mutter, die nun vor der Gemeinde gestand,
ihre Tochter dazu angehalten zu haben, weil sie von ihrem jetzigen Mann
trotz mehrfachen Kontaktes einfach nicht schwanger wurde und sie ihre
Tochter bei jenem gerne untergebracht gesehen hätte.

Interessant sind nun aber die Folgen. Die beiden blieben verheiratet, nicht
mal die Mutter musste das Dorf verlassen und ganz augenscheinlich wusste das
Kind auch zeitlebens nicht, dass der, dessen Namen er trug und den er wohl
Vater nannte, nicht sein wirklicher Vater war. Auch scheint der Nennvater
den Jungen mit sehr viel Liebe aufgezogen zu haben und auch das Erbe später
wurde ihm weder vom Vater noch von seinen Halbgeschwistern geschmälert. Der
ganze Ort schwieg ganz offensichtlich nach diesem Schock und beschloss
scheinbar, dass es den Vorfall nie gegeben habe, zum Wohle des Kindes.

Angaben zum Autor

Olaf Vieweg

Diese Geschichte wurde publiziert am: 27.09.2013

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Kommentare

23.10.2013 - Joseph

Warum schreibt man ins Taufbuch eine ganze Geschichte?



15.01.2014 - Olaf Vieweg

Gute Frage, ich vermute mal, der Pfarrer war so erschüttert über das gerade eben erlebte, dass er sich von der Seele geschrieben hat. Es ist auch er einzige Eintrag dieser Art in dem Gesamten Taufbuch, alle anderen sind normal nur eine Zeile.



02.09.2016 - Astrid Damerau

Ich finde die Geschichte sehr berührend, äusserst großherzig von dem betrogenen Mann und sehr wohlwollend von dem Dorf so menschlich zum Wohle des Kindes zu handeln. Schön wenn man solches Glück hat mehr gelebte Geschichte aus der eigenen Familie zu finden.Schade nur das der leibliche Vater namentlich nicht genannt worden war.
 

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