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Urvolk Thraker - Abstammung und Herkunft

Name

„Thraker“ (Thrakes) ist ein auf sprachlicher und kultureller Homogenität gründender griechischer Sammelbegriff für die Bevölkerung der nördlichen Balkanhalbinsel von der Nordküste der Ägäis bis zur Donau (oft wird von den antiken Schriftstellern auch noch das Gebiet bis zu den nördlichen Karpaten dazugerechnet) und von der westlichen Küste des Schwarzen Meeres bis ungefähr zum Lauf des Vadar.
Das Kernland der thrakischen Siedlung war das heutige Bulgarien.
Ob die Thraker der archaischen Zeit von der bronzezeitlichen Bevölkerung dieses Gebietes abstammten, ist ungeklärt.
Die Begriffe von Volk und Land der Thraker sind von schwankender Ausdehnung und können sowohl ethnisch als auch territorial nicht immer klar definiert werden.
Unter Thrakien verstand man in der Antike das Gebiet, das nördlich von Griechenland bis zu den Skythen lag, östlich von Makedonien und der Region Epirus bis ans Schwarze Meer reichte und vom Volk der Thraker besiedelt war, jedoch nicht das nördlich gelegene Dakien und die Geten mit einschloß.


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Die thrakische Ethnie

Die thrakische Ethnie gliederte sich – zersplittert in zahlreiche lokale Stammesgruppen (Asten, Bisalten, Besser, Thynen, Bistonen, Odrysen u.a.) – bereits in der 2. Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. aus dem indogermanischen „Gesamtvolk“ aus, in dem ihre Sprache einen eigenen Sprachzweig repräsentiert. Das kulturell-sprachliche Eigenprofil der eng verwandten Daker ist eine jüngere Entwicklung. Innerhalb des Kreises der indogermanischen Völker, Kulturen und Sprachen steht der thrakisch-dakische Komplex verwandtschaftlich dem der Balten am nächsten.



Sprache

Das Thrakische ist eine indogermanische Sprache, mit dem Illyrischen und (weniger) mit dem Phrygischen verwandt. Bemerkenswert sind viele Übereinstimmungen mit Wortstämmen der baltischen Sprachen. Nördlich des Haimos (Balkangebirges) sind auch iranische Elemente zu erkennen, kleinasiatische vor allem im Südosten.

Die geschichtliche Anwesenheit der Thraker ist im Kernland ihres Siedlungsgebietes in mehr als tausend Orts-, Flur- und Gewässernamen nachweisbar.



Griechischer Einfluß

Seit der Mitte des 8. Jahrhunderts v. Chr. gründeten die Griechen Kolonien im Siedlungsgebiet der Thraker. Diese Städtegründungen, wozu auch Byzanz gehörte, entwickelten sich in der Folgezeit zu Ausstrahlungszentren griechischer Kultur mit weitreichender Wirkung auf Lebensgewohnheiten und Traditionen der Bevölkerung in ganz Thrakien. Über ihre Kontakte mit den Griechen lernten die Thraker das Münzwesen, die Schriftkultur und die Welt der griechischen Götter kennen.

Die griechische Schrifttradition strahlte auf das Kulturschaffen der Thraker aus, und das Griechische diente der thrakischen Elite als Bildungssprache; die Verwendung des Thrakischen als Schriftsprache ist wohl nicht sonderlich gefördert worden. Nur wenige rein thrakische Inschriften in griechischer Schrift sind überliefert.

Die thrakische Sprache wurde in hellenistischer und römischer Zeit immer mehr vom Griechischen und in geringerem Umfang vom Lateinischen verdrängt. Dennoch scheint sie sich in Gebirgsgegenden bis in frühbyzantinische Zeit erhalten zu haben.



Thrakische Staaten

Ein bedeutsamer Einschnitt in der Entwicklung des südlichen Thrakerlandes war die persische Besetzung um 513 v. Chr. Nach ihrem Abzug im Jahre 479 v. Chr. hinterließen die Perser ein politisches Machtvakuum, das von thrakischen Herrschern gefüllt wurde, die eigene Staatsgründungen betrieben und auch eigene Münzen prägten. Das größte thrakische Reich gründeten die Odrysai, die von Südostthrakien aus große Teile des thrakischen Gebiets unterwarfen. Ihre Herrscher unterhielten einerseits gute Beziehungen zu Athen, andererseits auch mit dem Bosporanischen Reich.

Diese Staatsbildungen veränderten die thrakische Stammeswelt, von der man trotz einer Fülle von Namen letztlich nur wenig weiß.

Das Thrakerreich zerfiel, als Thrakien im Jahre 341 v. Chr. eine makedonische Provinz wurde. Auch stand Thrakien im 3. Jahrhundert v. Chr. für kurze Zeit unter der Vorherrschaft der Kelten.



Romanisierung und Gräzisierung

Ab Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. waren die thrakischen Dynasten gezwungen, jeweils für oder gegen Rom Partei zu ergreifen.

Im Jahre 15 v. Chr. wurden die Thraker als Vasallen politisch von den Römern abhängig. Seit 46 n. Chr. gab es eine römische Provinz mit dem Landesnamen Thracia, seit der Regierungszeit des Kaisers Diokletian (284-305) auch eine Diözese gleichen Namens.

Die thrakischen Aristokraten fanden innerhalb der Provinz ihren Platz in der neuen Oberschicht; einige von ihnen nahmen hohe Positionen im römischen Staatsapparat und auch in den neugegründeten Städten ein.

Die intensive Urbanisierung, der starke Zustrom neuer Siedler und römischer Veteranen, die verstärkte Einbindung in das wirtschaftliche und politische Leben des Römischen Reiches und die zahlreichen Truppenaushebungen unter der thrakischen Bevölkerung ließen zunehmend die ethnischen und kulturellen Elemente in den Hintergrund treten. Im Süden und Osten des Landes wurde Griechisch die Hauptsprache, während sich am Donau-Limes und im Westen das Lateinische durchsetzte.

Die Bevölkerung der thrakischen Städte setzte sich zumeist aus einem Gemisch von Thrakern/Dakern, Griechen, Römern und kleinasiatischen Handwerkern, im Nordosten auch Skythen, zusammen.

Ab der 1. Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. kam es zu schweren Einfällen wandernder Stämme aus dem Norden. Erst 269 n. Chr. gelang es Kaiser Claudius Gothicus, die vereinte Streitmacht der Goten, Gepiden, Bastarnen und anderen Stämmen bei Naissus zu schlagen. Die Provinz Dacia konnte allerdings nicht gehalten werden (271 n. Chr.). Viele Goten wurden als Kolonen in den stark entvölkerten Gebieten des Landes angesiedelt.

Nach der Überwindung der tiefen Krise des Römischen Reiches im 3. Jahrhundert n. Chr. erhielten die Donauprovinzen in der Reichspolitik eine immer größere Bedeutung, zumal auch einige Kaiser (z.B. Diokletian, Konstantin, Jovian) aus diesen Gebieten stammten. Aus einem peripheren Land wurde Thrakien zum Hinterland der neuen Hauptstadt Konstantinopel.

Thrakiens Bedeutung resultierte insbesondere aus seiner geographischen Lage am Schnittpunkt wichtiger Verkehrsachsen. Thrakien war (besonders nach dem Verlust Siziliens und Ägyptens) Nahrungsmittellieferant und gleichzeitig Hauptaufmarschgebiet aller potentiellen Eroberer vom europäischen Festland aus: Goten (378), Hunnen, Awaren (626) und Bulgaren (seit Ende des 7. Jahrhunderts), aber auch der Kreuzfahrer und Osmanen.

Westlich Konstantinopels wurde um 687 zur Abwehr der Bulgaren die Provinz Thrakien errichtet.



Die Daker

Die Daker waren ein indogermanisches Volk und eng mit den Thrakern verwandt. Sie stellten die Mehrheitsbevölkerung in Transsylvanien (Siebenbürgen). Eine eigene dakische ethnische Identität bildete sich um die Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. aus. Die Ethnogenese stellt sich als Prozeß der Ausgliederung einer jüngeren dakischen Identität auf der Grundlage eines älteren thrakischen „Gesamtvolkes“ aus. Bis in römischer Zeit waren die Daker kein einheitliches Volk. Vielmehr gingen einzelne dakische Stammesgruppen Bündnisse ein, die kurzfristig Bestand hatten oder dauerhafter waren.

Die Daker waren die stärksten Gegner der Römer auf dem Balkan. Erst Kaiser Trajan gelang es in zwei Kriegen (101-102 und 105-106 n. Chr.) die Daker zu unterwerfen. Der Sieg der Römer wird in den Bilderfriesen der Trajanssäule in Rom gefeiert. Die Römer gründeten in der neu gewonnenen Provinz Dacia zahlreiche Kolonien. Die Daker assimilierten sich innerhalb kurzer Zeit inmitten der romanisierten Bevölkerung des Balkan. Dacien gehörte bis 271 n. Chr. zum Römischen Reich.

Die Erinnerung an das kulturelle Erbe der Daker lebt bei den Rumänen bis heute fort. In ihrer Identität ist das Bewußtsein des dakischen Ursprungs ihres Volkes mit dem Stolz, zum römischen Zivilisationskreis zu gehören, aufs engste verknüpft.

Daher vermuten die Anhänger der dako-romanischen Kontinuitätstheorie, daß im modernen Rumänisch mindestens 160 lexikale Vererbungen aus dem dakischen Thrakisch, der Sprache der von den Römern unterworfenen Daker, bestehen. Die entsprechenden Wörter, z. B. balaur (Drache) oder brânza (Käse), werden als das dakische Substrat des rumänischen Wortschatzes angesehen. Etwa 90 dieser Begriffe findet man auch in der albanischen Sprache.



Die letzten Thraker

Am Ende der römischen Zeit verschwanden die Spuren der Thraker als politische Einheit. Es wird vermutet, daß sie in der bulgarischen und rumänischen Bevölkerung aufgegangen sind.

Spätestens nach 612 siedelten sich südslawische Bevölkerungsgruppen im Rahmen der Landnahme der Slawen auf dem Balkan in den oströmischen Provinzen Moesia und Thrakien an. Inwieweit tatsächlich im 7. Jahrhundert noch eine zum großen Teil romanisierte thrakische Bevölkerung neben den nach ihnen eingewanderten Slawen im Herrschaftsgebiet der bulgarischen Khane lebte, ist umstritten.

Die bulgarische Nationalhistoriographie sieht die Thraker als drittes Element, das im neuen bulgarischen Ethnos aufging. In der Gebirgslandschaft der Rhodopen hätten Reste der thrakischen Bevölkerung ihre Kultur und Sprache bis ins 6. Jahrhundert n. Chr. bewahrt, bevor sie sich an die Slawen assimilierten. Kritiker sehen diese Darstellung vor allem aus dem Interesse geleitet, eine ethnische Kontinuität zur antiken Bevölkerung der Region herzustellen. Die meisten Wissenschaftler vertreten jedoch die Meinung, daß die Thraker zum Zeitpunkt der slawischen Ankunft schon längst romanisiert bzw. hellenisiert waren.



Archäologie, Wirtschaft und Soziales

Verschiedene bronzezeitliche (1. Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr.), durch spiral- und mäanderverzierte Keramik definierte und nach Fundorten benannte Kulturen werden in der Forschung als „thrakisch“ bezeichnet, obwohl sich diese Ansicht auf keine antiken Quellen stützen kann.

Die Thraker waren wegen ihrer Goldschmiedekunst berühmt. In den Stilformen der thrakischen Goldarbeiten zeigt sich deutlich griechische Ästhetik, im Motivschatz sind griechische Vorlieben zu erkennen.

Wirtschaftliche Grundlage der Thraker war die Landwirtschaft, darunter auch Pferdezucht. Von Bedeutung waren außerdem Sklavenhandel und Bergbau: Eisen, Kupfer, Blei, Silber, Gold und Salz.

Wegen ihrer kämpferischen Geschicklichkeit und Furchtlosigkeit waren Thraker als Gladiatoren sehr begehrt und geschätzt (dieser Gladiatorentypus hieß thraex). Auch Spartacus soll Thraker gewesen sein.



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