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22.03.08, 13:52

Ahnenforschung

Stammbaum in den Genen

Analysen des Erbguts können die Suche nach den Vorfahren erleichtern – spezialisierte Firmen bieten bereits modernste Genealogie-Dienste an.
Von FOCUS-Redakteur Martin Kunz
Mutationen im Genom führen im Verlauf der Evolution zu neuen Merkmalen
Auf der Suche nach seinen Vorfahren wühlte sich Ralf Moritz, 69, jahrelang durch staubige Archive und durch Mikrofilme. Bis ins 14. Jahrhundert verfolgte er die Linie seiner mütterlichen Ahnen zurück. „Ich will wissen, wer ich bin, woher ich komme“, erklärt der Ingenieur im Ruhestand seine aufwändige Detektivarbeit. Auf der väterlichen Linie verlor sich die Spur im Spreewald bei Berlin. Dort starb 1794 der Gemeindeschmied Georg Moritz. Wer waren seine Eltern? Woher kamen sie?

In den alten Kirchenbüchern der Gemeinde fand Moritz schließlich den entscheidenden Hinweis: Der damalige Pfarrer hatte wohl den Namen des Verstorbenen falsch verstanden und aus dem Einwanderersohn George Morison den Georg Moritz gemacht.

Internetsuche nach den Vorfahren

Hobbygenealogen wie Ralf Moritz waren in der Vergangenheit ausschließlich auf Kirchenbücher, Steuerregister und oft kaum zu entziffernde handschriftliche Aufzeichnungen angewiesen. Mittlerweile erleichtern genealogische Netzwerke im Internet die Suche erheblich. Auf Verwandtschaftsportalen sind Millionen Dokumente in Sekunden zugänglich. Und die Nutzer arbeiten in bester Web-2.0-Manier an der Komplettierung der Datenbank. Ganz neu im Bereich Genealogie sind Firmen, die das Erbgut ihrer Kunden mit historischen Personen vergleichen und so per Gen-Analyse die Stammbaum-Recherche bereichern.

Digitale Datenbanken ermöglichen den modernen Genealogen problemlose Recherchen vom heimischen Schreibtisch aus in ausländischen Quellen. Die Online-Suche hat dennoch Grenzen. „Den Internet-Quellen kann man nie hundertprozentig trauen“, warnt Sabine Schleichert. Als Berufsgenealogin erforscht sie täglich die Ahnentafeln anderer. „Grundsätzlich muss ich jede Angabe im Original prüfen.“ Außerdem seien die Dokumente nicht immer eins zu eins übertragen.

Die Antwort liegt in den Genen

Die Angaben über Beruf und Herkunft eines Menschen sind den Forschern besonders wichtig, weil sie auf die Lebensumstände schließen lassen. Im Netz sind aber oft nur Name und Geburtsdatum vermerkt. Auch Freizeitgenealoge Moritz fand online keine Information darüber, woher sein Urahn Morison stammte. Der Name „GeorgeMorison“ klang nach einem englischsprachigen Land, nach welchem, blieb aber unklar.

Die Antwort liegt in den Genen. Moritz beschloss, die neueste, nicht ganz billige Fahndungsmethode der Ahnenforschung zu nutzen: Per DNA-Analyse ermittelt die Schweizer Firma iGENEA ab 105 Euro aufwärts das Herkunftsland eines Menschen. „Es liegt doch auf der Hand, diese Antwort in den Genen zu suchen!“, findet Moritz.

Den kompletten Report über die moderne Ahnenforschung finden Sie im aktuellen FOCUS.
Foto: Panthermedia
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